Gästebuch

Adventskalender der wilden Rumänienfreunde 2005: 14.12.

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Rumänische Weihnachtsbonbons in Stanniolpapier

In den 80gern Jahren wurde die Schokolade neben viel wichtigeren Lebensmitteln zur Rarität.

Man fand sie kaum noch in den "Alimentaras" und wenn man sie zu irgendeinem Anlass geschenkt erhielt, so war es ratsam die Haltbarkeit genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn oft horteten die Omas, Tanten und Mütter das kostbare Gut so lange in den Kleiderschränken zwischen der Bettwäsche, bis es als kleines Präsent herhalten konnte.

In der Vorweihnachtszeit musste man viel Geduld und Zeit in die Warteschlangen vor den Lebensmittelläden mitbringen. Folglich konnte man sich glücklich schätzen, wenn man es geschafft hatte, ein paar der rumänischen Weihnachtsbonbons zu erhalten, die es nur in der Adventszeit zu kaufen gab. Dabei handelte es sich um wohlschmeckende Schokoladenbonbons, die zuerst von einem dünnen weißen Papier umhüllt wurden. Über dieses Papier wurde zusätzlich ein buntes Stanniolpapier gewickelt, und zwar so, dass die weißen Fransen des darunter liegenden Papiers an beiden Enden herausragten. An eines der gezwirbelten Enden brachte man einen dünnen Faden an und so ließen sich die Bonbons wunderbar auf den Weihnachtsbaum hängen.

Bonboane

In den guten Zeiten sah man die ausrangierten Tannenbäume in der ersten Januarwoche vor den Häusern liegen. Bereits leicht zugeschneit glitzerte es rot, grün und blau, golden und silbern zwischen ihren gefrorenen Zweiglein. Es war das leere Stanniolpapier, welches sie nicht ganz so schmucklos und trist aussehen ließ.

Später jedoch als man feststellen konnte, dass sich der Kauf dieser Bonbons immer schwieriger gestaltete, machte sich allmählich das Gefühl breit, dass irgendwann die Bonbons vom Markt verschwinden könnten. So schälte man in der Weihnachtszeit die Bonbons ganz vorsichtig aus dem Stanniolkleidchen heraus und an der Tanne blieben nur noch die Verpackungen hängen. Als dann der Weihnachtsschmuck runter musste, legte man die leeren Stanniolhüllen vorsichtig in eine Schachtel und bewahrte sie sicherheitshalber bis nächstes Weihnachten auf. Sollten die Bonbons tatsächlich nicht mehr zu kaufen sein, so konnte man wenigstens die leeren "Stanniolbonbons" als Attrappe oder Schmuck verwenden.

Leider hatte man Recht behalten und die schillernde Hülle der Bonbons verschwand und mit ihr zu allem Übel blieb auch noch die leckere Schokoglasur komplett weg. So nannte man die nackten Bonbons nicht mehr "bomboane de crăciun", sondern nur noch "bomboane vărsate". Das bedeutete zwar "ausgeschüttete Bonbons", doch man benutze die Bezeichnung "vărsat" allgemein für Waren, die unverpackt aus einem großen Bestand abverkauft wurden.

Glücklich konnten sich nun diejenigen schätzen, die alle bunten Stanniolkleidchen aufbewahrt hatten, denn man benötigte nur etwas Fingerspitzengefühl, um die Weihnachtsbonbons für den Tannenbaum wieder fitt zu machen. Wer das Papier nicht mehr hatte, musste sich für die Bobons etwas selber basteln, ansonsten hätte man die Bonbons leider Wort wörtlich nur noch unter den Tannenbaum "vărsan" können.

Foto: ungefähr so sahen die Weihnachtsbonbons aus - leider sind es keine Originale

 

Weitere Infos, Fotos und Details über Rumänien gibt's beim Karpatenwilli und beim Rennkuckuck.
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