Rumänienadventskalender: 12.12.2007

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Die besondere Art Töpfe aufzubewahren in der Nähe von Ocna Sugatac (Maramureş)

Jede Hausfrau weiß, dass es nichts besseres und hygienischeres gibt als frische Luft, das trifft z.B. für das Trocknen der Wäsche, das Lüften von Käseturnschuhen und kranken Kindern zu. In der Gegend um das Dorf Mara handhabt man diese einleuchtende Gepflogenheit auch für die Töpfe und kombiniert dabei das praktische und hygienische auch noch mit Familienpolitik. Während unseres Silvesterurlaubs 2006/2007 in der Maramureş (Nordwestrumänien) entdeckten wir gleich am ersten Tag einen der sogenannten Topfbäume. Zunächst glaubten wir, dass es sich einfach um eine dekorative Variante handelt, Töpfe aufzubewahren.

Topfbaum, © Gudrun Pauksch

In den nächsten Tagen fielen uns weitere Varianten der Topfaufbewahrung an der frischen Luft auf.
In Mara entdeckten wir die Wandvariante, links der Hauseingangstür für die besonders schönen Töpfe und Kellen...

Topfbaum, © Gudrun Pauksch

...und rechts für die älteren Exemplare oder die, die man halt jeden Tag nimmt.
Die nette Dame auf dem Foto zeigte uns gern ihre Schätze und bat uns sogar ins Haus,
wo sie uns stolz und ausführlich die gesamte Inneneinrichtung zeigte.

Topfbaum, © Gudrun Pauksch

Vor dem sich in der Zollstation von Sarasau an der Grenze zur Ukraine befindlichen und durchaus sehenswerten
Privatmuseum des Zöllners Mihai befindet sich eine Topfbaumvariante zur Aufbewahrung von handgeferigten Tontöpfen.

Topfbaum, © Gudrun Pauksch

Natürlich gibt es auch noch die Ausführung "Innen", wahrscheinlich für die Fälle, wenn die Hausfrau mal schnell an den Topf muß.

Topfbaum, © Gudrun Pauksch

Leider ist die traditionelle Art, Töpfe auf Bäumen oder an der Hauswand aufzubewahren, heute nur noch vereinzelt in den Dörfern der Maramureş anzutreffen. Es ist ja klar, dass sich die Hausfrauen in der Maramureş auch moderne Küchen mit Schränken wünschen, um dort ihre Sachen aufbewahren. Aber in Mara entdeckten wir noch ein ganz besonders Exemplar eines Topfbaumes, für den uns ein einheimischer Bekannter folgende Erklärung gab: Früher hatten die Topfbäume nicht nur den Sinn der Aufbewahrung der Kochutensilien, sondern dienten auch der Familienplanung. Die roten Töpfe stehen für die Mädchen in der Familie. Wenn diese noch klein sind, hängen die roten Töpfe ganz unten am Baum, und je älter sie werden, desto höher wurden die Gefäße gehängt. Wenn das Mädchen im heiratsfähigen Alter war, hing der Topf ganz oben und die Burschen wussten, dass es sich lohnt, ab und zu mal an diesem Haus - wenigstens - vorbei zu fahren und laut mit der Peitsche zu knallen.

Topfbaum, © Gudrun Pauksch

Naja, in diesem Haus müsste es demnach sehr sehr viele Mädchen geben, die unter die Haube zu bringen sind.
Wir haben aber kein einziges gesehen.

© by Gudrun Pauksch

 

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