Rumänienadventskalender: 19.12.2007

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Die Basilika und die Heiligen Märtyrer von Niculiţel

die Heiligen Märtyrer von Niculiţel

Anmerkung: Im Jahr 1833 machten drei Mönche aus Moldova, die auf dem Rückweg vom Berg Athos und unterwegs zum Kloster Neamţ waren, Rast in Dobrogea. Nachts hatten alle denselben Traum: Ein Hahn befahl ihnen, auf der Stelle, wo sie genächtigt hatten, ein Kloster zu erbauen. Weil sie fanden, dass dies ein göttliches Zeichen sei (Petrus ist ebenfalls einmal als Hahn im Traum erschienen), haben sie sofort mit dem Bau des Gotteshauses begonnen. Dies ist nur eine Legende, die die Entstehung des Klosters Cocoş (Hahn) beschreibt. Eine andere Geschichte erzählt, dass man auf dem Hügel, auf dem das Kloster liegt, eines Nachts den Ruf eines Hahns sowie eine Toacă (in Klostern verwendetes Holzstück, auf dem mit zwei Holzhämmerchen zur Andacht "gerufen" wird) gehört habe.

Am 4. Juni feiern orthodoxe Rumänen die heiligen Märtyrer Zotic, Atal, Camasie und Filip von Niculiţel, deren Reliquien im Jahr 1971 entdeckt worden sind. Die Entdeckung wurde gemacht, nachdem Regen eine nordwestlich gelegene Stelle auf dem Hügel "Piatra Roşie" (roter Stein/Felsen) reingewaschen hatte. Diese Stelle wird von den Einheimischen "La Plăcintă" ("bei der Pastete") genannt und liegt im Ort Niculiţel (Judeţ Tulcea).

die Heiligen Märtyrer von Niculiţel die Heiligen Märtyrer von Niculiţel

In einem hügeligen, waldreichen Gebiet gelegen, sticht der Ort Niculiţel durch die Vielzahl seiner noch unentdeckten archäologischen Überbleibsel hervor.

die Heiligen Märtyrer von Niculiţel

An einem Ort, der von den Einheimischen "La Plăcintă" genannt wird, gab es vor nur einigen Jahren eine Bodenerhöhung. Die Alten sagten, dass es sich um eine Ansammlung von Steinen, Ziegelsteinen und sogar verfallenen Mauern handele. Das nach außen sichtbare Mauerwerk wurde zum Neubau von Häusern verwendet; Regen und Hochwasser der letzten Jahre spülten den Boden ab, so dass 1971 ein Teil einer Krypta-Kuppel zum Vorschein kam. Die Dorfbewohner beschädigten die Kuppel sowie einen Teil der Mauern mit ihrem Steinwerkzeug. Am 29. September des selben Jahres holten Ausgrabungen bei Niculiţel die Krypta der vier Märtyrer hervor.

Es handelt sich um eine christliche Basilika mit drei Schiffen, 60 Grad NNW orientiert, von denen bisher nur die Grundmauern der halbrunden Absidă (Nische des Altars) sowie ein kleiner Teil des Naos (= Gemeinderaum zwischen der Vorhalle und dem Altarraum) entdeckt wurden. Diese Art von Basilika mit den drei Schiffen kommen in der Dobrogea vor und finden ihre Analogie in Histria, Tomis, Noviodunum und Tropaeum.

Anmerkung: Das römische Siegesdenkmal von Adamclisi oder Tropaeum Traiani liegt in Dobrogea, nahe einem antiken Ort, der, wie das Monument, "Tropaeum Traiani" hieß (später Adamclisi). Das Tropaeum Traiani wurde, wie aus der zum Bau gehörigen Inschrift hervorgeht, dem Mars Ultor geweiht und 108/109 n. Chr. erbaut, es stammt also aus der Zeit Kaiser Traians und steht in Zusammenhang mit den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem römischen Reich und den Dakern.

Der Altar befindet sich über einer Krypta auf trapezoider Ebene, mit der großen Basis nach innen gerichtet. Die Dimensionen der Basilika lassen vermuten, dass es sich nicht "einfach nur" um irgendeine Kirche handelt, sondern um eine echte Kathedrale (vielleicht sogar um eine Bischofskirche - wie schon vermutet) oder die Kirche eines Klosters.

die Heiligen Märtyrer von Niculiţel

Experten haben herausgefunden, dass der Ort besonders gute Bedingungen zur Gründung eines Klosters bot. Die Ruinen der Wohnstätten in der Nähe der Kirche vom Hügel "Cetatuia" (11-12. Jh.) wurden als Mönchszellen identifiziert. Hier wurde auch das Grab eines Mönchs (das Skelett hatte unter seinem Kopf einen Ziegelstein liegen) entdeckt.

Die Krypta hat im Zuge der Entdeckungen von Niculiţel eine besondere Rolle im historischen und religiösen Zusammenhang inne. Sie stellt die bis heute älteste Konstruktion dieser Art dar. Während der archäologischen Untersuchungen fand man den Eingang blockiert und verputzt vor. An der Schwelle fand man eine Münze mit einem kaum erkennbaren Kreuz, die die Erbauung der Basilika sowie der Krypta auf die Zeit des Königs Teodosie II (408-450) datieren würde. Die inneren Wände der Krypta haben eine halbrunde Form, die Wände sind mit Kalkputz und Sand verputzt.

Im oberen Abschnitt der Wände links und rechts des Eingangs sind Schriften eingraviert. Jede Schrift beginnt mit einem Kreuz. Die Schrift links: † die Märtyrer des Christus; die Schrift rechts: Die Märtyrer Zoticos, Attalos, Kamasis, Filippos.

die Heiligen Märtyrer von Niculiţel die Heiligen Märtyrer von Niculiţel

Das Kreuz, wie es jetzt an der Wand der Krypta in Niculiţel eingraviert ist, taucht immer wieder auf einigen christlichen Monumenten aus der römisch-byzantinischen Epoche auf. Die Schreibweise ist typisch für das vierte bis fünfte Jahrhundert.

Weitere in der Krypta entdeckte Objekte wurden in der unterirdischen Kammer gefunden.. Es handelt sich um zwei Opfergefäße: eine schwarz-graue Schale, typisch für das vierte bis fünfte Jahrhundert, mit Mörtelresten - der Beweis für ihre Platzierung während des Krypta-Baus. Das andere ist ein kugelförmiges, ziegelrotes Gefäß mit rundem Boden, typisch für die Keramikkunst der spätromanischen Zeit aus dem fünften und sechsten Jahrhundert.

Die Gebeine der vier heiligen Märtyrer - die ersten, die auf rumänischem Territorium gefunden wurden

Im Inneren der Krypta wurde ein rechteckiger Sarg gefunden, in dem sich die nacheinander hineingelegten Skelettknochen der vier Märtyrer befinden, mit den Köpfen zum Eingang hin weisend. Jegliche Kleidung fehlt. Die Gebeine der vier sind noch recht gut erhalten, obwohl sie im Brust- und Schädelbereich schon sehr abgetragen sind. Die Arme und Beine sind besser erhalten. Die fehlende Kleidung und der Grabbeigaben, die Art der Beisetzung, die Einfachheit der Inschriften - dies alles deutet darauf hin, dass die Märtyrer bescheidene Menschen gewesen sind.

Heute ehrt man sie jedes Jahr am 4. Juni, indem ein Pilgerweg der Reliquien vom Kloster Cocoş nach Niculiţel stattfindet. In Jahren der Trockenheit "reisen" die Reliquien durchs Land, da sie als regenbringend gelten.

Anmerkung: Dadurch, dass die Gebeine durch Regenfälle zum Vorschein gekommen sind, ist der Kult darum eng an den Regen gebunden. Sowohl bei Trockenheit, als auch bei Überschwemmungen, wird den heiligen Reliquien die Kraft zugesprochen, das richtige Wetter zur richtigen Zeit zu vermitteln.

© by Carmen & Costel Mocanu, Übersetzung: Lucia ...

 

Weitere Infos, Fotos und Details über Rumänien gibt's beim Karpatenwilli und beim Rennkuckuck.
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