Die Tür am Buckel   

 

 

 

aus dem Buch "Märchen und Sagen aus dem Banater Bergland" von Alexander Tietz, Kriterion Verlag, Bukarest 1976

 ausgesucht von Richard Kreiling aus Chemnitz / Reschitz, abgeschrieben von Hans

Zeichnungen:
Kaspar, 8 Jahre  und Loviisa, 11 Jahre aus Ilola/Finnland

Na, war ach aamal a Mann und a Weib – a armer Mann und a armes Weib – und dee waren ach a bißl dumm. ( Früher waren die Leut alli dumm, sie waren nit so gscheit wie heut, sein in ka Schul nit gangen!) Und alli Tag sein s`allmal um Holz gangen, der Wald war nit weit. Jetz aamal sein s`ach fortgangen, und er hat gsagt: „Hörst, Aldi, hast du die Tür zugsperrt?“

„Naa, i hab sie offenlassen.“ „Geh zuruck und sperr zu, daß ka Dieb ins Haus neingeht!“

 

 

 

 

Sie is z`Haus gangen, hat die Tür ausghängelt, hat an Strick gnummen und hat die Tür afn Buckel gnummen. „Es is besser so wie zusperren“, hat sie gsagt, „so kann die Tür niemand aufmachen und kann aa niemand ins Haus nein.“ „Um Gottes willen, Aldi, bist du a dummes Weib!“ Jetz sein sie halt gangen weit in Wald, haben Holz fertig gmacht, an Binkerl zsammbunden – af aamal haben sie Hufen ghört. „Los, Aldi, Pferd`! Des sein die Rauber! Wenn sie uns da finden, dee bringen uns um!“ Sie waren grad unter an Tannenbaam gstanden, der war groß, mit die Äster bis unten af die Erden, dicht und so finster, daß ma nit gsegn hat, wenn jemand oben war im Baam. „Da steig`ma nauf!“ Die Äster waren bis unten, ma hat gut naufsteigen können. Sie hat die Tür nit vum Buckel geben! Sein sie aufikrappelt bis in die Kron und haben sich versteckelt.

 

 

Richtig, sein zwölf Rauber kummen und haben sich grad unter dem Tannenbaam glagert; sie haben a großes Feuer angmacht; ihnari Pferd waren aufgladen mit Säck; der Koch hat in Kessel vum Pferd nundergnummen, aaner hat Fleisch verschnitten, der anderi hat Zwiefel verhackt, sie haben im Kessel herumgrührt - af aamal sagt as Weib oben im Baam: „Alder, i kann die Tür nit mehr halten am Buckel!“ „Aldi, i bitt dich schön, laß die Tür nit runderfallen, wenn dee segn, daß ma da oben sein, dee bringen uns um!“Unten bei die Rauber waras Paprikasch schun bald fertig, sagt die Aldi wieder:“ Alder, i kann die Tür nit mehr af mir halten!“ „Aldi, i bitt dich, halt aus! Wenn die Rauber uns da finden, dee haben ka Erbarmen mit uns!“

 

 

 

 

Jetz, as Paprikasch war fertig, die Rauber haben gessen und haben angfangen, as Göld zu zählen- sagt die Aldi wieder: „Alder, i laß die Tür runderfallen!“ „Aldi, du brinst uns ins Unglück! Wenn die Tür nunderkummt, fangen sie uns!“

„I kann nimmer mehr!“

Der Aldi hat zittert, aber ihr war´s alles aans. Sie hat in Strick losgmacht, hat der Tür an Rucker geben und hat si schön runder fallen lassen. Wie sie so gfallen is vun Ast zu Ast, da hat`s prasselt und kracht. Die Rauber sein derschrocken; was kummt da, was kracht da bei hellichtem Sunnenschein? Ölfi sein davon gloffen. Aber der Rauberhauptmann, der größti unter ihnen hat sich denkt, er als Rauberhauptmann soll sich fürchten? Er is stehen blieben und hat naufgschaut. Und wie er so in Mund aufgrissen hat und hat gschaut, was da rundergflogen kummt, bums! Hat ihm die Tür in Mund und as Kinn rundergschlagen. Er hat wollen immer schrein, sie sollen nit laufen, die andern, hat aber nur können sagen: Bl- bl- bl- bl- bl... Er hat deut mit der Hand: kummts zurucka! Dee sein aber desto mehr gloffen. Sie haben Angst ghabt und sein nimmer zuruckkummen. Und der Aldi is nundakummen vum Baam. Er hat zittert wie a Laubfrosch. As Göld vun die Rauber und die Pferd mit die Säck - alles is dort blieben. „Siegst, Aldi, mit deiner Dummheit sein ma reich worn!“

 

 

Er hat as Sackel Geld afn Buckel gnummen, hat Holz darüber deckt, und so hat er`s z`Haus gschleppt. (Der Rauberhauptmann werd gstorben sein, und so haben sich die Rauber verstreut, ma hat nix mehr vun ihna ghört.) Und der dummi Mann mit dem dummen Weib sein reichi Leut worn. Geld haben sie ghabt genug- mir haben sie nix davon geben!

 

 

 

 

 

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