Mein erstes Mal  

 Katharina Bilz im Sommer 2014

 

 Eigentlich wollten wir an einem sonnigheißen Sommertag des Jahres 2014, im schattigen Cernatal von Dumbrova (unserem Wiesenzeltplatz) nach Baile Herculane wandern. (vielleicht 12-15 km - und das auch noch – einfach immer nur Bergab...)
Wir - das sind Frank, seine Kinder Greta und Oskar, na und eben ich. Ach so, und dann war auch noch die "Kleine Fee" dabei.
Doch nach ca. 1,5 km stieg der Weg steil an und verlief fast nur noch in der prallen Sonne.

 Immer wieder bog der Weg in ein Seitental ein, manchmal richtig weit, um auf der anderen Seite wieder zurück zu führen. Der Versuch wieder ans Wasser der Cerna, bzw. ans Ufer des Stausees zugelangen, um an der kühlenden Uferböschung weiterzuwandern, glückte nur kurzfristig. Ein Geröllhang verhinderte unser Vorhaben. Der Hang war zwar steil, aber kein wirkliches Hindernis.

 

Die Kraxelei war bald geschafft und wir waren wieder auf dem mäanderten sonnenbeschienen Weg hoch oben über dem Stausee. Da kam uns ein wunderschöner Wasserfall gerade recht. Dieser stürzte in ein natürliches Wasserbadebecken von einer Madonna bewacht.




Huch, war das Wasser kalt, aber eine herrliche Erfrischung bei dieser Hitze. Als geborenen Memme traute ich mich nur bis kurz über die Knie ins kalte Naß und kühlte Arme, Gesicht, Nacken und Dekolltee, während die e
hrhardt'schen Familienanteile einfach viel unerschrockener waren und die "Kleine Fee" sowieso. Wir stellen immer wieder fest, daß dieser kleine Hund die falsche Inkarnation gewählt hat, sie hätte Seehund werden sollen...
Nach dieser willkommenen Abkühlung wurden die männlichen Anteile unseres Trupps schon wieder aktiv.

Um oben an die Kaskade zu gelangen, versuchte Frank den steilen Hang zu erklimmen. Mit den Händen sich an Felsvorsprüngen und Wurzeln festhaltend, zuckte er instinktiv an einer Stelle zurück, bevor er seine Finger über eine Felskante legte.

Erst auf den zweiten Blick sah er was ihn zum Zurückzucken bewegte -

eine SCHLANGE !

 Zusammengeringelt, dösend in der Mittagshitze. Jetzt ließ sie sich allerdings stören, so daß Frank ein Foto von ihrer ganzen Pracht machen konnte. Geschätzte 50 cm lang und 3-4cm dick, beige-grau mit rotorangenem Zickzackmuster. Hübsch! Hübsch!





Nach unserer – für Alle unterschiedlich wahrgenommenen Erfrischungspause setzten wir unseren Weg fort.
Plötzlich huschte auch durch die Pfoten unseres kleinen Hundes wieder eine Sch
lange. So dick wie mein kleiner Finger und geschätzte 30 cm lang, hell mit grauem Zickzackmuster. Die Fee blieb völlig unbeeindruckt. (sie konnte ja nicht ahnen, daß es auch giftige Tiere geben könnte – sie rechnet immer nur mit Liebe...)

 


Der Weg wollte kein Ende nehmen! Aber er nahm ein Ende!
Völlig unerwartet - an einem Werktor.

Etliche Hunde kläfften wie wild – obwohl Oskar und Frank schon aufklärend vorangewandert waren. Sollen wir jetzt wirklich - den ganzen Weg wieder zurück? Nicht zu schaffen! Nicht für mich!! (Streik)
Also fiel der Entschluß: querwaldein und steil bergab durch 's tiefste Dickicht, durch hohes stachelbewehrtes Brombeerkraut und rheumaverhindernde Brennnesseln
abzuklettern. Und dann gab es unterhalb des Werksgeländes eine Halde. Steine über Steine, wackelig, lose aufeinander liegend und weil dies meine erste Rumänientour mit Frank war, war ich auch völlig unvorbereitet, ohne geländegängige Beschuhung an den Füßen...und hatte nichts mehr zu Trinken, Hunger, der sich bemerkbar machte... Alles in Allem - ein Desaster für mich (Desastru internationale)!

 

Und schon wieder bin ich auf einen kippeligen Stein getreten, bei dem ich fast die Balance verlor und die Nerven lagen blank.

So wurde erstmal eine Runde geheult, geschluchzt und sich im Selbstmitleid gesuhlt - aber nichts dauert ewig, auch dieser Zustand nicht.

Also auf und weiter geht's! Und wenn ich in diesem Moment dachte, steiler geht's nicht - Irrtum! Es ging noch steiler! Eine Mauer hielt das Geröll, damit es nicht weiter ins Tal rutscht und links und rechts gefühlte 80% Schräge. Von Baum zu Baum rutschend in der lockeren Walderde ging es weiter hinunter in Richtung Tal. Zwischendurch immer wieder anhaltend, um die Schuhe zu entleeren, die sich allerdings nach spätestens zwei Metern Rutschen schon wieder mit Waldboden gefüllt hatten. Und ich rede hier nicht von zwei, drei Krümchen Erde und 'nem Steinchen - der Freiraum in meinem, durchaus bequemen Schuh, war gefüllt, was die Fortbewegung ungemein erschwerte.


Als die Talsohle erreicht war sahen wir verrostete Gerätschaften, eine steile Treppe/ Leiter, die in das obere Betriebsgelände führte. (warum haben wir die nur nicht schon von oben gesehen???)
Plötzlich tauchte ein Hund auf, jedoch ein Rüde. Puh...das ist nicht unerheblich, wenn man eine Hündin dabei hat. Hundeweiber können arg bösartig untereinander sein, vor allem, wenn die Eine ins Revier der Anderen eindringt. Aber die Begegnung verlief ganz entspannt. Das Revier zu bewachen hat der Wachhund schnell vergessen und Freundschaft mit uns und vor allem unserem Hundemädchen geschlossen.
So langsam erkannten wir, wo wir hin geraten waren: ins Gelände der Staumauer
und des Kraftwerkes, das ringsum (außer aus der Richtung, aus der wir kamen) eingezäunt war. Es dauerte nicht lange, da rief uns jemand an - stehen zubleiben. Erst war gar nicht auszumachen, woher die Stimme kam, aber bald trat ein Mann auf uns zu und gab uns zu verstehen, daß wir diesen Bereich
unverzüglich zu verlassen haben. Er geleitete uns zum Tor, schloß auf und entließ uns.

..

Der Wach-Hund kam mit uns...
Wir liefen an wild campenden Wohnwagen erholungsfreudiger Rumänen vorbei, dann eine erste Quelle und immer mehr Zeichen der Zivilisation.

 

Und dann ein Freibad und Imbißstände. Endlich was zu Essen! Micic für uns alle, Bere für Frank und alkoholfreie Durstlöscher für den mitgewanderten Rest. Ein liebenswerter Gastwirt...


Gestärkt machte sich Frank trampender Weise auf, um unser Auto von unserem Zeltplatz in Dumbrova zu holen, damit uns allen ein weiterer langer Fußmarsch erspart bliebe.

So ein Lieber! Wer es noch nicht wusste, der weiß es jetzt!
Wir anderen dreieinhalb aber, weil wir ja so ziemlich genau an den Sapte Izvoare (den 7 heißen Quellen) rausgekommen waren, liefen ein Stück die Straße hinauf, um dann einem Hinweisschild und den freundlichen Ermunterungen badebekleideter Handtuchträger zu folgen, links abbogen, eine extrem steile Betontreppe hinabstiegen, die Cerna auf einer wackeligen Hängebrücke überquerten, und dann.....eine heiße Quelle mitten im Fluß vorfanden! Nur für uns! Nach dieser ganztagssommersonnnenhitzigen Strapaze eine Wohltat, die kaum zu beschreiben ist. 

Oskar war so lieb, die Stufen noch einmal hinaufzuflitzen, um Frank in die natürliche Badewanne zu lotsen.


Bald waren wir nicht mehr allein, denn eine rumänische Familie gesellte sich zu uns. Ins Gespräch kommend - auf Englisch, bei dem Greta mit ihren Sprachkenntnissen das Heft in die Hand nahm, kamen wir unter Anderem auch auf das Thema Schlange zu sprechen. "Ja, ja", das Foto zeigend, "this is a Hornvipera." Hornviper? Der Mann der Familie erklärte uns, daß diese Schlange so heißt, weil sie auf der Nase ein Horn trägt. Und tatsächlich, beim Heranzoomen des Bildes auf Franks Fotoapparat konnte man es deutlich erkennen – eine Kreuzung von Schlange und Nashorn. Wir erfuhren, daß sich Hornvipern auch auf dem Wasser bewegen, dort aber nahezu ungefährlich sind. Sie seien nicht aggressiv. Zwischen Felsen ist jedoch Vorsicht geboten, denn ihr Biß ist stark giftig!!! Nach einem Biß hat man noch 8-9 Stunden Zeit sich ins Krankenhaus zu begeben. Na toll! Also ihr könnt wissen, daß ich meine Schritte seither achtsamer setze, zumal uns noch mehrfach Hornvipern im Cernatal begegnet sind.

Katharina und  Frank, Greta und Oskar