Întregalde  

von Hans-Ulrich Schwerendt

 

Im Kalenderfenster Nummer 9 habt Ihr Willis Bericht von unserer Novembertour ins Apuseni gelesen. Die Schönheit der Gegend in Worte zu fassen, fällt auch mir nicht wirklich leicht!


Lange Zeit hatte ich große Bedenken, im Monat November loszuziehen: eigentlich kein toller Reisemonat. Wir hatten unbeschreibliches Glück, sommerliche Temperaturen, konnten jeden Tag im T-Shirt wandern, mussten ab und zu sogar die Klimaanlage im Auto einschalten. Es war einfach zu warm!


Wir sahen satte Herbstfarben, die uns immer wieder bei unseren Wanderungen oder Fahrten innehalten ließen, um diese unbeschreiblichen Farbspiele der Natur staunend zu genießen.


Willi hatte hier im Adventskalender von den ersten Tagen unserer Reise bei Familie Alba aus Ramet und den Besonderheiten dieses Landstriches berichtet. Vor vielen Jahren hatte ich das Trascăugebirge im Mai fast komplett durchwandert und dabei Întregalde durchquert. Aber mit komplettem und schwerem Reisegepäck bekommt man die vielen schönen Dinge neben der Hauptwanderroute selten mit. Diesmal jedoch konnten wir die Umgebung der Cheile Întregalde ausgiebig erkunden.


Nach drei wunderschönen Tagen in Ramet ging es von dort weiter nach Întregalde. Obwohl die Entfernung nur 10 km Luftlinie beträgt, muss man einen Umweg von 45 Kilometern fahren, um dorthin zu gelangen. Die Straße war vor ein paar Jahren nur mit geländegängigen Fahrzeugen passierbar, aber inzwischen war einiges ausgebessert worden. Trotzdem waren wir einen halben Tag unterwegs, da man oft nur im ersten oder zweiten Gang fahren konnte. Hinzu kamen viele Stopps, um die traumhafte Landschaft zu genießen und die alten Motzenhäuser am Wegesrand zu bestaunen.


Am Nachmittag erreichten wir Întregalde und bezogen unsere Pension gleich am Ortseingang aus Mogoș kommend. Wir machten uns sofort auf den Weg hinauf nach Popesti, um zu einem der vielen kleinen Streudörfer rund um Întregalde zu wandern.


Zuerst bogen wir in Richtung Teius gleich nach dem Dorfladen links in ein Tal und wanderten am Fluss entlang, bis rechts ein Feldweg den Berg hinaufführte. Schnell waren wir oben auf dem Plateau angekommen und suchten die alte Dorfkirche von Popesti. Da sie gut versteckt zwischen Bäumen steht, brauchten wir zwei Anläufe, bis wir sie fanden.

 Leider hatte niemand der wenigen verbliebenen Bewohner den Schlüssel der Kirche. So blieb uns nichts weiter übrig, als die Umgebung zu erkunden und uns an der Farbenpracht der Wälder zu erfreuen.


Am Abend zeigten uns unsere Pensionseltern ihre Vorräte für den Winter. Der Keller war gefüllt mit hunderten Gläsern, die die Menschen hier über den Winter bringen sollten. Früher wohnten ganze Generationen zusammen und arbeiteten von Frühjahr bis Herbst, um Vorräte für Mensch und Tier für den Winter und den Frühling zu schaffen, bis die Natur wieder soweit war, um die Menschen mit dem zum Leben Notwendigen zu versorgen. Die Kinder unserer Pensionseltern arbeiten wie die meisten Rumänen der Gegend im Ausland und sind nur selten zu Hause.


Am nächsten Morgen zogen wir bei minus 5 Grad los und wanderten diesmal in die andere Richtung, gleich hinter der Cheile Galditei den Hauptwanderweg hinauf auf das Plateau südlich von Întregalde.


Inzwischen hatte die Sonne schon ihre volle Stärke erreicht und erwärmte die Luft auf gefühlte 20 Grad!


Überall stießen wir auf Reste alter Stinas (Hirtenhütten), die vom früheren regen Hirtenleben in den Sommermonaten zeugten.


Wir wanderten mehrere Berggipfel ab und saugten Sonne und atemberaubende Landschaft auf. Am Ende stiegen wir auf Wildpfaden zurück ins Tal und kamen direkt hinter der Cheile Intregalde wieder auf die Straße.


Am nächsten Tag stand ein Ausflug in das Bergdorf Tecșești und in die Cheile Tecșeștilor auf dem Plan. Über Modolești fuhren wir hinauf auf das Plateau. Die Straße war so schlecht, dass wir manche Passagen nur in Schrittgeschwindigkeit passieren konnten.

Das Auto ließen wir am Ende der Schlucht Tecșeștilor stehen, stiegen querfeldein in Richtung Piatra Cetii hoch.

 

 Auf halber Höhe trafen wir einen Bauern, der sein Feld düngte. Wir kamen mit ihm ins Gespräch und er begleitete uns ein Stück bis zu den ersten Häusern der Streusiedlung Răicani. Dort zeigte er uns, wo wir langgehen sollten. Nach Querung der Bergwiese hinter dem Dorf trafen wir tatsächlich auf den gut markierten Wanderweg und kamen so schnell auf den Gipfel des Piatra Cetii.


Piatra bedeutet Stein und Cetii Nebel, aber wir hatten eine schöne Aussicht.

 Kurz unterhalb des Gipfels gibt es eine Schachthöhle, welche 48 Meter senkrecht in die Tiefe geht!


Nach einer langen Gipfelpause waren wir schnell wieder unten im Tal. Und weil noch genug Zeit war, stiegen wir über eine schöne Bergwiese auch noch auf den Berg der anderen Seite der Cheile Tecșeștilor.


Oben angelangt, folgten wir einem Felsgrat in nördliche Richtung und wurden mit einem schönen Ausblick in Cheile Râmețului belohnt. Leider war es an diesem Tag etwas diesig, so dass wir nur wenige Fotos machen konnten.


Am nächsten Tag waren wir mit dem Priester von Întregalde verabredet. Er wollte uns die Kirchen im Seitental südwestlich von Întregalde zeigen. Gemeinsam fuhren wir über die Dörfer Necrilești bis nach Sfârcea. Dort endete das Tal. Der Priester zeigte uns alle Kirchen und nutzte gleich die Chance, einige Gemeindemitglieder zu besuchen.


Indessen besichtigten wir eine alte Getreidemühle, die noch in Betrieb war und erlebten noch einige andere Überraschungen.


Als wir am späten Nachmittag im Magazin Mixt zwischen Sfârcea und Necrilești saßen und einen Kaffee tranken, schaute der Priester etwas irritiert auf die Uhr und fragte Willi, ob er in seinem Auto noch die deutsche Zeit eingestellt habe. Plötzlich in Eile, drängte er darauf, nun doch weiter zu fahren, da er heute noch eine Messe für alle im letzten Jahr gestorbenen Gemeindemitglieder halten müsse. So machten wir uns auf den Weg zurück nach Întregalde. Als die Kirche in Sicht kam, sahen wir schon von Ferne vor der Kirche einen Tisch mit Broten und gefüllten Flaschen stehen. Manche Dorfbewohner saßen an den Gräbern ihrer Familien, andere standen um den Tisch herum. Der Priester lud uns ein, hoch zur Kirche zu gehen, während er im Pfarrhaus verschwand.


Als er dann im schwarzen Priestergewand die Stufen zum Kirchberg hochkam, wurden auf dem langen Tisch alle Kerzen angezündet und die Messe konnte beginnen.

 Mit orthodoxen Gesängen und Gebeten wurden die Namen aller Verstorbenen verlesen.


Zum Tagesausklang wurden wir vom Priester zum Abendbrot eingeladen.

Am Sonntag wollten wir noch die Gegend und Kirche in Dealu Geoagiului besichtigen. Dort angekommen, schauten wir uns zuerst einige Bauernhöfe und die alten Häuser an. Die Dorfbewohner erzählten uns, dass man zur Kirche nur zu Fuß hinkomme. So ließen wir das Auto stehen und liefen zur Kirche.


An der alten Holzkirche wurden wir schon erwartet und wir durften die schöne Malerei im Inneren der Kirche besichtigen und den Kirchturm besteigen.

 

Als wir zurück ins Dorf liefen, sehen wir unseren Kirchenführer auf seinem Pferd zurückreiten.

Hier endet nun die Reise durch die Apuseni für mich. Während ich Sonntag Abend in Teius in den Zug zurück nach Deutschland steige, fährt Willi weiter in die Bergwelt des Motzenlandes. Weitere Berichte und Erlebnisse dieser Reise gibt es am Wochenende nach Ostern zum offenen Reisetreffen der Rumänienfreunde auf dem Campingplatz am Lütschestausee!


Wer genauere Infos und Hintergrundinformationen zur Region um Întregalde und Tecșești finden möchte, findet diese auf der Homepage von Willi.