Vom Weintal übers Fischtal nach Oberwischau

von Winnie Albrecht

Endlich Urlaub und so hieß es am ersten September Auto packen für 14 Tage Abenteuer.
Für mich sehr abenteuerlich war die Anfahrt ins Weintal. Bei uns wäre das nicht einmal ein guter Feldweg und hier war es eine hochoffizielle Straße. Loch an Loch und hält doch, durch den Regen waren kleine Teiche auf der Straße und man sah nie wie tief die sind und das Ganze auch noch bergan. Dank super Beschreibung mit Bildern und Axels unerschütterlicher Ruhe und Übersicht beim Fahren fanden wir unser Ziel. Der eingewanderte deutsche Filmemacher und Buchautor Björn Reinhardt hat einige Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen. Uns gab er ein kleines zauberhaftes Holzhäuschen. Beim ersten Betreten war ich schockverliebt. Ein Kachelofen, uralte Schränke, zweckmäßige Küche, zwei Betten unten und oben noch ein kühler Schlafraum. Ich frage mich, wie er mich hier wieder rauskriegen will.
Wir richteten uns erstmal bissel ein und konnten dann am Nachmittag noch ein wenig die Umgebung erkunden, schließlich brauchten wir noch was zum Essen.
Zu Fuß und nach Beschreibung von Björn wagten wir uns auf den Weg, markiert mit einem roten Dreieck in Richtung Stadt. Immer am Hang lang und die Hunde ignorierend, war seine Anweisung. Gesagt, getan und mit offenen Augen entdeckt man den Pfad auch gut. Wir kamen an einer Quelle mit sehr eisenhaltigem Wasser vorbei, sahen ins Tal und auf die Berge und die saftig grünen Wiesen. Außerdem säumten jede Menge Pflaumenbäume den Weg, so dass wir immer mal naschen konnten. Nach ca. 40 Minuten waren wir im Ort und gönnten uns ein Eis, bevor es zum Einkaufen ging.
Die Obststände waren reichlich gefüllt mit richtig reifem Obst und Gemüse und das ziemlich preiswert. Mit Händen und Füßen und irgendwelchem Gestammel bekamen wir, was wir brauchten, im Geschäft half uns ein zufällig anwesender Deutscher um an Mititei, das landesweite Nationalgericht, zu kommen. Hackfleischröllchen aus gemischtem Fleisch von Rind, Hammel, Schwein, Lamm – je nach Rezept – gewürzt mit reichlich Knoblauch und Paprika. Auf dem Rückweg sammelten wir noch die Pilze am Wegesrand ein und es war klar, heute gib es ein selbst gekochtes Festmahl. Im Häuschen angekommen vertiefte sich Axel in den aufgezeichneten Track und pflegte den Weg gleich bei OSM ein und ich kochte für uns. Kartoffeln mit Pilzen und Mititei schmeckte uns beiden ganz hervorragend. Ein kurzer Plan, was am folgenden Tag gemacht werden soll und dann ging es ins Bett unterm Dach - da war es kühler.
Nach einer sehr erholsamen Nacht gab es gemütlich Frühstück und unserer ersten Wanderung stand nichts im Wege. Gegen zehn brachen wir gut gelaunt auf, vorsichtshalber packten wir noch Regensachen ein, und stapften mit Wanderstöcken bewaffnet los. Vom Häuschen aus ging es noch eine ganze Weile das Weintal nach oben. Wir kamen an weiteren Bauerngärten und Häusern vorbei und folgten brav dem roten „C“. Unser erstes Zwischenziel war eigentlich eine Kapelle. Eigentlich, denn wir sind zu brav dem Wanderzeichen gefolgt und sind so zielsicher weit daran vorbei gelaufen. Der Weg wurde steiler und einsamer. Keine Häuser mehr, sondern der weite Blick hinauf in die Berge, über Wiesen und den meist gut erkennbaren Pfad. Verfallene Hütten auf einsamen Bergwiesen und massiv ausgewaschene Wege.
All das machte die Wanderung sehr kurzweilig. Im Wald trafen wir dann auf einen Pilzsammler. Mit Händen und Füßen fragten wir nach der Kapelle, die viel weiter unten lag. Da gaben wir es auf und liefen unseren Weg weiter, nicht ohne uns rumänisch zu verabschieden und ein fröhliches "Auf Wiedersehen" dafür zu ernten. Dann tauchten auch bei uns Pilze auf und wurden eingesammelt und wenig später trafen wir den Herren noch einmal. Schweigend rauchten wir gemeinsam eine Zigarette und jeder zog seinen Weg. Wir entschieden an einem Wegweiser eine Pause zu machen. Brot, Zwiebel, Wurst und Käse schmecken an frischer Luft so gut, dass sogar ich freiwillig Brot esse. Wie nun weiter? Eigentlich müssten wir den Weg nach links nehmen, aber so ein bissel wollten wir vielleicht doch die Kapelle noch finden. Also biegen wir nach rechts ab. Dann kam eine Husche vom Himmel, die sich gewaschen hatte und wir zogen schnell die Regenklamotten drüber. Ein wenig warten und der Himmel zog wieder auf. Von der Kapelle war weit und breit nichts zu sehen, wir sollten nicht die Einzigen sein, die selbige nicht fanden. 
Dafür kamen uns bellend mehrere Hunde entgegen. Mir wurde aber arg mulmig, als die immer näher kamen. Feige versteckte ich mich hinter Axel, der souverän damit umging. Warten bis der Schäfer kommt, denn die bimmelnden Schafe hatten wir schon gehört. Und so war es auch, ein alter Mann kam um die Ecke und die Schafe kamen den Hang hinauf. Gefahr gebannt. Als lauter Dankbarkeit gab es für ihn eine Zigarette, aber auch er schwieg eher als zu kommunizieren. Er zeigte uns noch den Weg nach Obcina, den wir aber nicht nehmen wollten und so zeigte er noch wie wir von hier aus ins Fischtal kommen. Dann kam ein Fuhrwerk und bretterte vorbei um wenig später einen wahnsinnig steilen Weg bergab zu nehmen - der Kutscher führte dabei seine Pferde. Die Schafe samt Schäfer und Hunde zogen weiter und wir pausierten an der Stelle noch ein wenig, mussten wir doch in die gleiche Richtung und wollten dem kläffenden Rudel etwas Vorsprung lassen. Naja, das war zwar ein guter Gedanke, aber als wir los liefen hatten wir alle schnell wieder ein. Der Schäfer fluchte seine Hunde an und machte uns den Weg durch die Herde frei. Nix wie weiter.
Den nächsten Schauer abwarten und dann den Weg ins Fischtal beschreiten. Mit Schreiten war allerdings nicht viel. Regen der letzten Tage und schwere Technik zur Holzgewinnung hatte den Weg in einen Schlammbach verwandelt. So entschieden wir am Hang lang zu gehen und später hinab zu steigen. Als uns dann ein Traktor entgegen kam, wussten wir warum die Wege so aussehen. Das Fischtal selbst war nicht so reizvoll wie das Weintal. Lang zog es sich bis wir in Oberwischau ankamen und unsere Einkäufe zum Abendbrot erledigen konnten.
Was Süßes landete auch im Korb, ohne zu wissen, was es genau ist. Den schon vertrauten Weg durch die Zipserei und das rote Dreieck lang laufend waren wir nach 24 Kilometern wieder zurück. Während ich das Essen machte, musste ich wegen akuten Zuckermangel (reine Kopfsache) die Tüte Süßkram aufmachen und zulangen. Glückstränen kamen mir, hatte ich unbewusst doch Lebkuchen gekauft und das war genau das, was ich in dem Moment brauchte. Ein leckeres Pilzragout mit Kartoffeln und Hackfleischbällchen brachte schnell Energie zurück. Ein Blasenpflaster ersetzte das unterwegs gesetzte Tape, ein paar Minuten Augenpflege auf den unteren Betten und so klang der Abend gemütlich aus.
Den komplette Geschichte der Reise von Winnie und Axel findet ihr in Winnies Welt!